Warum „chemisch“ oft besser als pflanzlich ist

Pflanzen bevorzugt?

Aus Chemie besteht die ganze Welt – das ist in solchen Zitaten bezgl. böser Chemie und guter Pflanzen also nicht gemeint. Meist denken viele dabei an synthetisch hergestellte Medikamente.

Was allerdings oft vergessen wird: Medikamentenwirkstoffe basieren meist auf Pflanzen, deren Wirkstoff man isoliert hat, von Störpunkten gereinigt hat und ihn synthetisch nach seinen Bausteinen nachgebaut herstellt. Hinzu folgen Wirksamkeits- und Verträglichkeitsstudien. Man versucht, eine Wirkungsmaximierung bei möglichst geringen Nebenwirkungen zu erzielen – besser als es viele Pflanzen je hinbekämen. Das heißt, letztendlich ist es oftmals für den Körper weniger risikobehaftet, entsprechende Medikamente zu wählen statt die ungeprüften pflanzlichen Versionen in der gleichen Wirkungsdosis einzunehmen, die viel mehr unbekannte Parameter mitbringen und Störzusammenhänge im Körper schnell auslösen können. Natürlich kommt es aber stark darauf an, mit welchem Maß man bei den Wirkungsräumen misst. 
Pflanzen stehen oft deswegen besser da, da sie in einer viel milderen Liga spielen (in Dosis, Wirkung und Nebenwirkung) als ihre wirkungsmaximierten medikamentösen Zwillinge, die bei ihrer viel höheren Wirkstoffdosierung an mancherlei heftigen Nebenwirkung oft nicht vorbeikommen. Außerdem wird alles sehr genau dokumentiert – während es bei vielen Pflanzen oft weniger intensive Studien gibt – sowie keinen Beipackzettel, der bei manchen Personen Placebo-Nebenwirkungen hervorlocken kann.

Snythese-Angst dank Marktchaos

Pillen by Basket78

Allerdings sind Pflanzen meist günstiger und oft nicht so stark vom Marktgeschehen abhängig wie mancherlei Medikament. Manchmal wirkt aber auch gerade die Gesamtpaket-Kombination einer Pflanze. Bei einzelnen Wirkstoffen sind synthetische Medikationen jedoch oft viel effektiver. 
Synthetischem muss man also nicht negativ gegenüberstehen, eher dem Undurchsichtigskeitsgewusel bei Anbietern und Produkten, in welchen man sich leicht verliert, während man an dem vorbeigreift, was man eigentlich finden wollte (meine-gesundheit.de und sanego.de helfen da etwas). Bei dem Gewusel ist’s schließlich irgendwann doch einfacher, in eine Pflanze zu beißen, mit weniger Wirkung zu leben, aber aus dem Glauben heraus den Placebo-Effekt noch ein wenig positiv zu stärken. 

Ritalin?

Pillen by Basket78

Eine Person mit Konzentrationsschwäche wird idR immer weniger leisten können als sie eigentlich könnte. Es beschränkt sie im Ausleben ihrer tatsächlichen Fähigkeiten – besonders im Vergleich zu gesunden Altersgenossen, was dadurch recht unfair ihr gegenüber ist – und wenn es Mittel gibt, die diese Behinderung mildern und diese Person sie verträgt, warum sie nicht ausprobieren? Das Problem kann sein, dass man sich dermaßen auf die Tabletten verlässt, dass der Körper seine eigenen Fähigkeiten (wo vielleicht noch ausbaubares Potenzial war) runterschraubt und man dann erst recht von den Tabletten abhängig wird.

Bei Konzentrationsschwäche gibt es gute Gedankenübungen (z.B. einen wackeligen Ball vorstellen, den man gedanklich fixieren will), Meditationen (z.B. sehr konzentriert eine Kerze vorstellen) und und und. Es gibt Studien über Gedankenübungen, die langfristig ritalinähnliche Effekte bringen und es gibt Mönche, die dank der Meditation im hohen Alter immer noch Konzentrationsfähigkeiten eines Studenten erreichen.

Andererseits: Ritalin hat idR kaum Nebenwirkungen. Wir sind auch abhängig von täglicher Wassereinnahme, vom Schlafen, vom Essen, von Vitaminen. Die Liste, die der Körper ohnehin braucht, um zu funktionieren, wird einfach nur um eine Tabletten-Einnahme länger – das schränkt nicht wirklich ein. Ritalin ist zudem auch nicht der ultimative Burner wie immer angepriesen wird. Bist du gesund, so wird es dich nicht schlauer wirken lassen als du bist und es wird dir keine neuen Fähigkeiten oder neuartige Leistungszustände geben, die du auch sonst nicht schon aus eigenem Können heraus erreicht hättest. Bei ADS hat es aber starken Effekt und führt für gesunde Menschen selbstverständliche Zustände herbei, die diese Personen selbstständig kaum (oder nur mit Qual) erreicht hätten.

Der Erziehungskampf

Mutter & Tochter by Mike Baird

Das Problem ist viel mehr, dass die Medikamente sehr oft gesunden Kindern verschrieben werden (besonders Jungs sind im frühen Alter ganz normal hippelig), weil Mütter ihre Kinder ruhig kriegen wollen. Das passiert deshalb so oft, weil Ritalin nicht vom Neurologen selbst verschrieben werden muss, sondern jeder Hausarzt es verschreiben kann. Es ist einfach schade um das Glück des Kindes, in seiner Jugend einfach mal abdrehen zu dürfen. Es wäre besser, wenn es freiwilliger laufen würde, sodass das Kind selbst entscheiden kann, wie es sein möchte und wie es sich besser fühlt, und nicht bevormundet zurechtgebogen wird. Auf der anderen Seite ist es aber auch verständlich. Eine Mutter mit 5 Kindern und einem Fulltimejob kommt einfach auch irgendwo an ihre Grenzen und man kann nicht von ihr übermenschliche Kraft erwarten, alles auf herkömmliche Art und Weise im Griff zu haben.

Manche Kinder kommen in einem Penthouse zur Welt, manche in einer Sozialwohnung mit lauten, weinenden und anstrengenden Geschwistern. Es stehen einem einfach nicht immer die gleichen MIttel und Zeit zur Verfügung, um Probleme aufzulösen. Und bevor man aus eigener Einschränkung heraus dann ein Kind aufgrund von großer Energie und Rüpelhaftigkeit die anderen Geschwister psychisch plätten lässt und damit nachhaltig verstört, ist es nachvollziehbar, dass man zu solchen Mitteln greift. Und manchmal sollte man sich auch an die Nase packen: Wer setzt denn in seinem Leben schon alles immer astrein und 100%ig angemessen um? Wer geht in der Not nicht auch mal einen provisorischen Weg? Ich würde da nicht direkt verurteilen, jeder versucht sich eben auf seine Art zu helfen.

Grundsätzlich kann man sagen: Wenn damit Schlimmeres vermieden werden kann und die Nebenwirkungen gering sind, ist der Versuch in Ordnung.
Aber das ist nur meine Meinung. Weitere Meinungen?

Hier übrigens ein netter Artikel.