Der Weg aus allen Schranken hinaus – auf eine ungewöhnliche Art

Sprung | by Jessica Mullen

Heute fiel mir etwas im Leben unglaublich Ausschlaggebendes auf, was ich gerne teilen möchte. Es gab eine Zeit, in der ich extrem zu allem motiviert war und endlos Energie hatte, alles umzusetzen, was ich mir vornahm. Doch irgendwann hatte ich meinen Schlüssel dorthin verloren. Dies ist mein Weg zurück, um Schranken zu brechen. Auf eine recht ungewöhnliche Art. 

Früher, als ich unaufhaltbar motiviert war, hatte ich eine andere Wahrnehmung: Ich nahm meine Physik nicht persönlich. Viele „leben“ Anstrengungen und Arbeit durch ihre Augen, durch das, was der Körper rückmeldet. Man wird zum Körper, man ist der Körper. Ist man das wirklich?  

Der Start

Manche Dinge könnten zu Beginn etwas kompliziert klingen, aber ich werde im Laufe des Textes ganz genau darauf eingehen, wie die Conclusio entstand. Also nicht gleich am Anfang verschrecken lassen – das Resultat ist es das wert.

Ich hatte damals mit einem unabhängigen Blick auf meinen Körper jegliche Anstrengung wegzaubern können. Die Wahrnehmung aus meinem Körper heraus war nicht mehr entscheidend, sondern die unabhängige Steuerung. Wollte ich meinen Körper formen, habe ich das getan. Wollte ich ein Lexikon sein, habe ich das getan. Weil ich nichts von den Dingen persönlich nahm, sondern mir dachte: „Halt die Klappe Körper, du wirst mich nicht einschränken.“. Doch diese Einstellung brach weg, denn ihr fehlte etwas Maßgebliches.

Was mir heute nun auffiel, ist, dass ich dieses Leben zu persönlich nehme. Damals nahm ich vielleicht meine Physik nicht persönlich, aber Emotionales umso mehr. Heute dreht sich die Wahrnehmung nicht mehr um den Aspekt, Emotionales persönlich zu nehmen oder loszulassen, sondern darum, dass es für mich irrelevant geworden war. Irrelevant, weil ich weiß, wie man unabhängiges Glück selbst aufbauen kann [Anleitung] und keinen Grund jeglicher Beteiligung hatte. Ich war es leid, mitzuspielen, ich hatte kein Interesse. Warum auch, wenn ich emotional keine Beteiligung mehr brauche? Welchen Grund sollte ich haben, mitzuspielen?

Wenn Angst unbedeutend wird, der Elan aber auch

Viele jagen dem Glück hinterher, aber kaum einer fragt sich, was man damit macht, wenn man es hat, wenn man sich jede Emotionslage erfüllen kann. Welchen Grund hätte man noch, hier mitzumachen? Angst vor dem Tod? Nicht vorhanden. (wenn ihr möchtet, könnt ihr gerne kommentieren, ob ich darauf weiter eingehen soll. Ich glaube, es könnte Menschen helfen, die ihr Leben bald ableben und sich fürchten. Aber ich frage mich eher, ob Interesse darin besteht, meine Variante zu sehen).
Angst vorm Alleinsein? Nicht vorhanden, ich kann mir emotionale Fülle auch anders geben – ohne äußere Einflussfaktoren. Man kann eine starke emotionale Unabhängigkeit aufbauen und dennoch einfrieren. Und ich fragte mich, warum das passiert war.

Die große Wendung

Zwischen all den Dingen fiel mir nun auf, dass ich durch diese emotionale Unabhängigkeit nun das umsetzen kann, was früher nicht möglich war: die Fäden meines Lebens komplett unabhängig von allen Einflüssen zu ziehen. Und zwar nicht so wie meine Lieblingsvortragperson Robert Betz es beschreibt. Nicht, die Erde sei DIR Untertan, sondern unpersönlich – und damit ganz andere Möglichkeiten innehabend. Und darauf möchte ich nun eingehen.

Ich spiele ein Videospiel, ich beobachte. Was die Person, die ich steuer, abkriegt, belangt mich nicht, weil ich hinter dem Controller sitze. Und nun bin ich in der Lage, die Figur zu führen, ihre Gedanken zu führen, ihre Form zu führen, ihre Aktivität zu führen. Das ist mein Mannequin und ich beobachte, was dabei rumkommt. Ich habe in meinem Fall die Figur in Isolation geführt, aber warum sollte ich sie dort lassen? Ich kann sie überall hinsteuern, wenn ich möchte – denn ich bin NICHT die Figur, sie ist nur mein Steuerelement, mein Mannequin. Ich muss nichts von dieser Welt persönlich aufnehmen. Ich bin hier, um Wege auszutesten. Kurzum: da ist nichts mehr, was mich hindern kann. Als Beispiel: Wenn ich super sportlich sein will, kann ich meinen Körper dazu anweisen super sportlich zu sein – ohne innere Erschöpfung. Klar, man fühlt noch Schmerz, Schwäche etc. beim Training, aber das ist notwendiges Übel, um einen Überblick zur Mannequin-Wahrnehmungslage zu behalten und ihn nicht runterzuwirtschaften.

Ich hatte mich früher immer gefragt, warum sich Menschen von ihrem Körper in ihrer Person einsperren lassen und die Körperbedürfnisse leben, aber nicht ihre eigenen. Zum Beispiel wenn Mitschüler auf vieles nie Lust hatten und elanlos waren – warum sie diese Welt persönlich aufnahmen, wo man doch so viele Möglichkeiten dadurch verliert, wenn man stets denkt und lebt, man sei der Körper und die Aufnahmestation. Menschen leben damit, dass sie der Körper sind. Betz spricht vom Körper als Ausleihpunkt und darüber diesen zu schätzen, um ihm nicht weh zu tun. Ich rede davon, dass er ein Mannequin ist. Genauso wie dessen natürliche Gedanken. Wenn man das realisiert, erreicht man eine absolut unabhängige Steuerung. Man kann sich also alles erfüllen, was man sich wünscht, weil man es den Körper einfach machen lassen kann, bis man eben meint, man wolle nun was anderes wagen. Es gibt keinen Ermüdungspunkt, wenn man nicht selbst der Körper ist. Es gibt nur einen „ok, ich muss darauf achten, dass der Körper das überlebt“-Punkt. Ansonsten braucht man sich nicht von Einschränkungen des Körpers im wahren Geist/Person hinter dem Controller einschränken zu lassen.

Der schrankenlose Blick

Menschen haben oft nur diesen Tunnelblick gefiltert durch ihren Körper. Betz zeigt, wie man innerhalb dieses Tunnels Fäden zieht und ich merke nun, dass die ganze Wahrnehmung, auch die gedankliche und alles was man fühlt, die des Mannequins sind und man selbst der Zuschauer ist – hinter dem Controller. Also warum sollte ich die Reaktionen meines Mannequins befolgen? Liegt meine Aufgabe nicht eher darin, aus diesen Beschränkungen auszubrechen und eigenständig zu steuern?

Mein Problem war, dass ich dieses Leben persönlich nahm. Nun aber kann ich meinen Körper einfach anweisen, Dinge zu machen und ihn zu steuern – denn dafür ist er da. Ich hatte mich einfach nur im Mannequin festgesessen. Da ist nichts, was dieses Mannequin nicht ausführen kann, was ich ihm befehle. Das ist wie mit Sims, Fable etc. wenn ich die Figur entsprechend umherlenken will, dann tu ich das einfach. Es spielt hinterm Controller auch keine Rolle, was spontane Emotionen oder Schmerzen etc. dazu sagen. Die sind nur Umstand, um zu merken, dass man aufpassen muss, dass man nicht draufgeht. Sie sind ein Warnsystem und sind auch nie mehr gewesen. Das Problem war, dass ich mich mit diesem Warnsystem und Körper identifiziert habe und alles durch den Körper aufnahm. Mir war zwar klar, dass man mit Emotionen unabhängig umgehen kann, aber nicht, dass das alle nie eine Rolle gespielt hat sondern nur Mittel zum Zweck war. Dass meine eigentliche Reise eine uneingeschränkte ist, da ich mein Mannequin überall hinsteuern kann und es diesen Weg auch gehen wird. Wenn ich will, dass mein Mannequin schlau wird, kann ich es einfach lernen lassen. Es gibt keine „ich bin müde“-Einstellung. Es ist eher „ok, mein Mannequin ist müde, ich sollte mal aufhören, bevor er mir eingeht“. Ich kann ihn alles machen lassen, uneingeschränkt.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ab hier folgen nur noch Verdauungshilfen~~~~~~~~~~~~~~

Steuerungseinleitung

Nun muss sich das festsetzen und nicht beim „Bemerken“ bleiben. Ich kann mein Mannequin alles machen lassen, was ich will. Emotionen und physische Gefühle sind das Rumble Pack meiner Reise. Es gibt nichts, was mich am Weiterspielen nach eigener Art hindern könnte. Ich kann dem Mannequin alles auftragen, was ich möchte, um durch ihn mehr von der Welt zu erkunden.
Wenn ich in den Schnee raus will oder Arbeiten verrichten will, dann sag ich einfach: „Klappe, Rumble Pack, stell dich nicht so an, denn ICH will, dass du das jetzt mitmachst, schließlich bist du meine Steuerfigur.
Und du, Steuerfigur, wirst mich nicht steuern und mit dem Rumble einlullen. Ich lasse mir die Reise dadurch doch nicht entgehen. Du sollst mir nutzen und darum setze ich mit dir nun alles um, was man so machen kann. Ohne Einschränkungen. Ich respektiere dich auch, aber wenn man Dinge nicht jetzt umsetzt, wann dann? Es hilft auch dir.“

Alles, was man tun muss, ist es zu merken, dass man hinter dem Controller sitzt und schon ändert sich die Welt für einen.
Wenn mein Mannequin gerne rumliegt, hindert mich nichts daran, ihn zur Sportlichkeit umzulenken. Nichts hindert mich daran. Und ich muss nicht auf die Reaktionen des Mannequins eingehen, sie sind nur Hilfseindrücke für die Steuerung. Ich habe also eine unbeschränkte Kontrolle über ihn.
Wenn mein Mannequin Isolation einfacher findet, muss ich das noch lange nicht so hinnehmen. Ich könnte es auch einfach umdrehen, um zu sehen, was dann passiert.

Persönlich müsste ich aber für mich noch vertiefen, dass Emotionen mich nicht betreffen, sondern ein Warnhaushaltssystem sind. Und dass es darum egal ist, was mein Mannequin in bestimmten Situationen ungefiltert wahrnimmt. Das hat alles mit mir nichts zu tun. Das heißt, ich kann es auch übergehen, weil es für mich persönlich keine Rolle spielt.
Ich muss das Filterzeug meines Mannequins nicht ernst nehmen, weil ich nicht der Mannequin bin. Ich bin die Person hinter dem Controller und ich verwerte die Hinweise in meinem Spiel so wie ich das möchte. Damit bin ich in jeder Hinsicht schrankenlos.

Mein Körper braucht vielleicht Sexuelles, aber ich brauch das nicht. Mein Körper braucht Essen, aber ich brauch das nicht. Darum kann ich sein Essen auch einfach nach Belieben umändern. Ich füttere meinen Mannequin nun, um ihn zu formen – und zwar in allen Lebensbereichen. Tunnelblick adé.

Mein Körper will vielleicht faul sein, aber er ist nicht der Bestimmer. Wenn ich was anderes machen will, mach ich das einfach. Da ist nichts, was mich stoppen könnte und außerdem weiß ich ja, dass auch mein Körper davon profitiert.

Ein Anwendungsbeispielhaufen. So lange, bis es sitzt.

Das Geheimrezept für Schrankenlosigkeit in kurz: „ich sehe diesen Körper und dessen natürliche, instinktive Gedanken als Mannequin, den ich steuer. Und weil ich nicht der Mannequin bin, sondern der Controller, kann ich ihn nach jeglichem Belieben steuern – jeder Mannequinwahrnehmung zum Trotz.“

Lernen? Nein, mimimi. – Klappe Hirn, du machst das jetzt. Du bist mein Mannequin und ich steuer dich jetzt so wie es mir passt.
Emotionales Ausweichverhalten? – Klappe Hirn, ich will das nun umsetzen und du entscheidest hier nichts.

Kurzum: Klappe Hirn, du machst das jetzt, weil ich das so will. Ich lasse mich nicht einschränken, und deswegen dienst du mir jetzt – denn dafür wurdest du als Mannequin ja bereit gestellt.
 „dieses Mannequin ist mein Diener und ich entscheide über seine mitgebrachten Empfehlungsgefühle hinaus“

Mein Körper führt das aus, was ich ihm anweise. Mein Körper, nicht mein Geist. Mein Geist kann frei entscheiden, wie die Anweisung lauten wird, um einen neuen Lebensteil anzugehen. Man muss nur das Rumble Pack nicht überinterpretieren.

„Körper, du hast mir zu gehorchen. Ich werde nämlich nun meine Wünsche in Erfüllung bringen“

Ein herrlicher Untermalungspunkt für dieses Aufwecken ist dieses Lied. [aus dem Ever Blue Sounds-Soundtrack von Free!]

  • Rocco Marchegiano

    Ein wenig Disziplin ist immer gut. In den jungen Jahren ist es auch sicherlich machbar. Nur wird der Körper irgendwann für das ständige Ignorieren die Zeche bezahlen. Außer es liegt eine Persönlichkeitsstörung hervor; zB: Soziopathie, Borderline, Essstörung oder Anderes. Da wird die Wahrnehmung zum Körper eine Andere sein.
    Ich hoffe ich habe dich jetzt nicht missverstanden.
    Alles, was zuviel ist, kann nicht gesund sein…

    Ansonsten wünsche ich dir viel Liebe und Gesundheit.

  • Me/Michi

    Dein Artikel ist spannend. Du versuchst etwas, das in der richtigen Dosis sicher hilfreich ist. Aber aus meiner Sicht beschreibt er wie du dich von einem Extrem ins andere Extrem begibst. Von der über-emotionalisierung deiner Empfindungen und Sinneswahrnehmungen gehst du jetzt in die Entfremdung von deinem Körper. Für mich klingt das so, als hast Du ein Problem mit Macht und Kontrolle, dass Du jetzt durch übermäßige Kontrolle lösen suchst.

    Ich denke, dass das auf Dauer nicht gut gehen wird. Wir sind als Menschen viel enger mit unserem Körper und seinen Zellen verknüpft, als es bei deinem Beispiel Game-Char der Fall ist. Jede Zelle kommuniziert zurück, jede Empfindung gibt Dir Signale, darüber was dem Körper wirklich gut tut. Der Geist besteht zu 90% aus dem Unterbewussten, das genauso steuert und Teil des Körpers ist. Ziel kann nicht sein, den Körper als „Mannequin“ abzustempeln, denn er ist für Dich nicht austauschbar. Es gibt im echten Leben keinen Respawn. Du wirst deinen Körper benutzen müssen, bis an dein Lebensende. Sorge für ihn, denn damit sorgst du auch für deinen Geist.

    Es gibt Momente in denen die totale Selbstbeherrschung durch den Geist funktioniert und hilfreich ist. (Arbeit, Studieren, Sport) Aber das Maß ist entscheidend und was du mit deinem Körper machst, beeinflusst deinen Geist. Dem Körper etwas gutes zu tun, heißt deinem Geist gutes zu tun.

    Wenn du mir nicht glaubst, versuche mal folgendes: Strecke die Brust raus, gehe aufrecht, Lächle. Auch Studien zeigen, dass bereits eine Veränderung der Haltung und Mimik effekt auf deine Emotionen hat.

    Wenn Du tatsächlich deine Probleme in den Griff kriegen willst, kann ich dir gerne einen Freund von mir empfehlen, der als Hypnotiseur arbeitet. Mir gefällt der Ansatz auch besser, sein Unterbewusstsein zu beeinflussen um sich harmonisch auf seine übergeordneten Ziele auszurichten und trotzdem sein Leben intensiv positiv zu empfinden.

  • Angie Becker

    Hör‘ doch einfach auf, „gegen“ Deinen Körper zu leben und „gegen“ Deinen inneren Schweinehund (den Du „Gehirn“ nennst) zu kämpfen. Akzeptiere einfach alle Seiten Deiner selbst, inkl. Deiner physischen Beschränkungen und lebe in Symbiose mit Deinem Körper und Geist. Macht das Leben gleich viel angenehmer… 😉