Alle Daten von der Geburt bis zum Tod – im Voraus

Taj Mahal in Indien 
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Dennis Jarvis | CC 2.0 by-sa

Leider habe ich keine persönliche Erfahrung mit dieser Thematik, finde sie aber unglaublich aufregend – ob als kulturelles Gut oder als tiefere Betrachtungsweise aufs Leben. Und zwar unabhängig davon, welche Ergebnisse mich erwarten würden. Selbst eine Falsifizierung könnte die Neugier stillen. Ich finde zudem, dass es keine schlechten Ergebnisse (außer beim Schludern der Erforschungsweise) gibt – denn selbst diese sind eine Erkenntnis oder ein Anhaltspunkt darüber, wie stimmig oder unstimmig etwas ist.

Worum es geht:
Palmblattbibliotheken in Indien. In die dortigen Blätter soll vor Tausenden von Jahren das ganze Leben der Menschen, die diese Bibliothek besuchen werden, niedergeschrieben worden sein. Und zwar sehr präzise mit Namen, Daten von Ereignissen, Kinderanzahl, Verwandtschaft, Beruf, Bezug zu Mitmenschen im eigenen Leben, Geburt, wichtigen Momenten im Leben und sogar Todesdatum

Die Palmblatt-Reader („Nadi-Reader“) vererben die Bibliotheken, bilden Personen extra dafür aus und lehren sie die alte Sprache der Schriften, um etwa 500 Jahre später das Geschriebene auf neue Palmblätter zu übertragen. Manche von den derzeitig amtierenden Readern können Englisch, für andere braucht man einen Dolmetscher. Die Lesung kann man angeblich auch auf einem Diktiergerät aufnehmen.
Das Bewusstsein dort handelt davon, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeitgleich sein sollen und sich die damaligen Schreiber daher an die Zukunft ‚erinnern‘ konnten.

New Delhi, Raj Ghat by Tom Thai

Schwindel / wahr?
Es klingt ziemlich weit gegriffen und ich bin kein Fan von zu viel irrsinnig Abwegigem, doch ich lese seit Jahren im Internet überwältigende Erfahrungsberichte von Personen, die sich diese Sache anscheinend näher angeschaut haben, eigene Palmblätter untersuchen ließen (sogar mit der Kohlenstoffnachweis-Vorgehensweise, um das Alter zu prüfen) und Anleitungen, Adressen als auch Telefonnummern sowie Forscher samt Instituten sehr präzise nennen und auf den Inhalt ihrer Blätter detailliert eingehen.

Orchha, Indien
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Dennis Jarvis | CC 2.0 by-sa

Manche sind überwältigt von ihren Ergebnissen, andere scheinen an schwarze Schafe gekommen zu sein. Autorisiert gibt es wohl verteilt 12 Bibliotheken, wobei eine gesplittet ist(?). Die größten in Sri Lanka und Chennai.
Es gibt auch Personen, welche behaupten, allgemeine Palmblätter für die Welt zu haben. Sie veröffentlichen Texte dazu. Hiervon sind aber zurecht wenige Leser angetan – an der Echtheit der Texte und der Abgrenzung vom Bild des Autors darf anscheinend zurecht gezweifelt werden. Bei Personen bezogenen Blättern sieht es bei den autorisierten Bibliotheken hingegen sehr positiv aus – gerade was die präzisen persönlichen Informationen über einen anbelangt.

Faszination Indien
Selbst wenn es der atemberaubendste Schwindel der Welt wäre: Indien allein ist sicherlich auch ohne diesen Aspekt eine Reise wert und beinhaltet damit ein fantastisches Abenteuer dieser Kultur. Ich würde viel drum geben, dorthin zu reisen, um mich davon zu überzeugen oder es auch gerne zu falsifizieren – auch hier wäre die Entdeckung spannend. 

Sikh-Mann, Delhi, Indien
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Dennis Jarvis | CC 2.0 by-sa

Wenn jemanden das Ganze also auch faszinieren sollte, schlage ich vor: Unternehmt die Reise und erzählt mir wie’s gelaufen ist. Erfahrungen oder zumindest Anlaufstellen für seriösen Zugang dorthin sind mir sehr willkommen. Oder eben die Angabe, wo die schwarzen Schafe verteilt sind. 

Und wenn das alles ein atemberaubendes Märchen war, hat man die Erfahrung einer enorm spannenden Kultur für sich mitge-nommen.

Hier sind ein paar weiterführende Links. 
Vor so einer Reise sollte man vorher Reviews prüfen und bei vielen Quellen einsehen, wie un-/seriös die Anbieter sind. Wie man bereits rauslesen konnte, habe ich keine Erfahrung damit. Vielerlei Reviews lesen sich zudem umhauend.

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  • Osmium

    Indien ist ohne Fragen einen Besuch wert und hat kulturell einiges zu bieten, vieles davon wahrscheinlich auch gerade aus der religiösen Vielfalt entstanden.

    In den von dir angegebenen Links erkennt man aber auch das große finanzielle Interesse, Touristen ins Land zu locken und diese für das Palmblatt-Lesen und das ganze drumherum zahlen zu lassen.

    Aber schauen wir doch mal einen Blick auf die Daten aus
    http://www.zeitreisen-sl.de/index.php?id=109

    Mehrere Millionen Lebensläufe sind einerseits eine sehr große Zahl, wenn jeder einzelne alle paar hundert Jahre auf einem Palmblatt erneuert werden muss bevor der alte unleserlich wird. Da muss es ja eine ganze Archivar-Industrie für geben. Die „wenigen Eingeweihten“ für Alt-Tamil tun mir angesichts dieses Arbeitspensum echt leid 😉

    Andererseits sind ein paar Millionen auch eine ziemlich kleine Zahl in Relation zu den Menschen, die seit der Niederschrift vor 7000 Jahren gelebt haben, derzeit leben (allein rund 7100 Millionen) und künftig noch leben werden. Das ausgerechnet du dabei bist, ist doch statistisch ziemlich unwahrscheinlich 😉

    Nehmen wir aber mal einen Moment an, die Geschichte wäre tatsächlich wahr und du findest dein Blatt. Möchtest du wirklich deinen kompletten Lebenslauf zu Gesicht bekommen und wissen was auf dich zukommt? Das würde ja auch bedeuten, dass alles weitere in der Zukunft genauso passieren muss wie niedergeschrieben. Du wärst damit zu einem Roboter degradiert, der ohne jede Einflussmöglichkeit seinen Weg abarbeitet. In welchen Grenzen tatsächlich Willensfreiheit besteht ist ja eine philosophische und wissenschaftliche Frage für sich, aber eine solche Antwort würde weit mehr bedeuten als nur deine Neugier zu stillen. Aber wär dann auch egal wie du dich damit fühlen willst, ist ja eh alles vorgegeben 😉

    Wenn all die Jahrtausende lange Arbeit für die Konservation dieser Infomationen einen der Menschheit dienlichen Zweck erfüllt, wäre doch zu erwarten, dass diese dann auch genutzt werden soll? Du solltest mal anfragen, ob sie nicht mit modernen Techniken wie Digitalisierung und Suchmaschine uns allen ihre Weisheit zur Verfügung stellen können, anstatt jeden einzeln nach Indien reisen zu lassen. Aber ich fürchte, du wirst wenig Erfolg damit haben 😉

    Ich schau mich mal weiter auf deinem (sehr interessanten) Blog um,
    Gruß Osmium