Wirkliche politische Gesinnung deutscher Burschenschaften?

schlagende Verbindung | von Andre Bulber

Dieses im Internet schwirrende Bild verdeutlicht viele Klischees bezgl. der politischen Gesinnung – und die Kommentare mancher User bestätigen sie. Gerne werden Burschenschaften von Linken in die rechte Ecke gezerrt, aber was ist hier wirklich dran?

Wer der Kritiker hat sich schon einmal an einen Tisch mit Mitgliedern einer Verbindung gesetzt und mit ihnen privat geredet? Sowie mit größeren Versammlungen zu tun gehabt, das Interne kennengelernt?
Selbst der Spiegel lässt in seinen Burschenschafts-Skandalartikeln den Eindruck gezielter Verwirrung erwecken, die beim Leser mit Vorurteilen vorbelastet ist und die Spannung zwischen Traditionen und Linken aus Unkenntnis verstärkt. Die Erläuterungen halte ich meist für uneindeutig, da der Fokus zu stark auf die Skandale gelegt wird.
Mediell wirkt es vielerorts wie das Scheren aller Burschenschaften, ohne deutliche Abgrenzungen, über den Kamm einer einzigen Organisation, die lange am Wegsterben ist.

Vorgeschichte 

Die Deutsche Burschenschaft war als Dachverband mit vielen deutschen Burschenschaften / Verbindungen (nicht allen) historisch  demokratisch, Werte vermittelnd und freiheitlich – mit dem Ziel, sich bewusst in Deutschland für Demokratie und Freiheit einzusetzen sowie Traditionen zu ehren. So lange die Burschenschaften nur in Deutschland verbunden waren, gab es relativ wenige rechte Konservative, die gedanklich über das Maß hinaus schlugen, aber in Burschenschaften aufgrund der patriotischeren Ader mitmischen wollten. Bei Abstimmungen des gesammelten Vereins „Deutsche Burschenschaft“, der aus vielen deutschen Verbindungen besteht, hatten Rechte aufgrund ihrer kleinen Anzahl nie etwas zu sagen und wurden stets überstimmt.

Später wurde die Deutsche Burschenschaft erweitert – um die Österreicher. Da man in Österreich selbst mit winzigen Gruppen eine neue Burschenschaft gründen kann, die dortigen Burschenschaften oft stark rechts sind und jede Burschenschaft in der Deutschen Burschenschaft (egal wie groß) den gleichen Stimmwert bei Entscheidungen über den Verein hat, verschob sich die Mentalität des Vereins nach rechts.
Vielen deutschen Verbindungen ging das Ganze zu weit, sie gründeten daraufhin die Neue Deutsche Burschenschaft und traten in großer Anzahl dort ein. Das deuteten die Medien als “die DB ist ihnen wohl nicht rechts genug, also gründen die Verbindungen mit der NDB einen noch rechteren Verein” – was absolut nicht stimmt.
Nun ist es so, dass viele Burschenschaften mit der rechten Seite der Deutschen Burschenschaft und ihren Vorstellungen absolut nicht konform laufen. Sie sind also zu Hauf ausgetreten.

Das Resultat 

Nun sind in der Deutschen Burschenschaft im relativen Verhältnis viele Rechte – und das merklich durch die hohe Stimmanzahl der Österreicher. Dadurch entsteht natürlich ein Skandal nach dem anderen – auch seitens Deutschlands, da sich wegen der rechten Stimmanzahl letztlich auch rechte Deutsche durchsetzen können. Nur grenzen es die Medien nicht in jedem Artikel ab und lassen es daher so wirken, als wären alle Burschenschaften in einem Topf, was schlicht falsch ist.

Die Gründer der Deutschen Burschenschaft sind übrigens selbst schon lange ausgetreten – der Verein hat sich also quasi mit den Überbliebenen verselbstständigt und verlor zu einem nicht unerheblichen Teil die ursprüngliche Wertesicht.
Das bemerkten viele Burschenschaften und sind daher, um stärker bei ihren eigenen Werten zu bleiben, ausgetreten.
Mir sind Burschenschaften bekannt, die Türken und Russen innehaben und mit rechter Gesinnung nichts zu tun haben. Und dennoch werden diese zu Unrecht von Linken angegriffen und die Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, beschädigt.

Ungeprüftes Urteilen

Das Problem ist, dass die Informationsquellen vieler Linker gerne auch nur normale Berichte sind. Selbst die seriöseren Magazine unter ihnen leisten sich ziemliche Fehltritte. Ein Beispiel: Ein Spiegel-Reporter, der miterleben durfte, wie im Spiegel bewusst gegen Windkraft Artikel geschrieben wurden, da der Redakteur diese wegen seiner Pferdezucht nicht guthieß: Interview. Kritikfrei sollte man es aber nicht aufnehmen – vielleicht schlug er teilweise selbst stark übers Maß hinaus. Wenn er aber Recht hat, ist’s eine haprige Sache für den Spiegel.

Burschenschaftskappe

Das Problem vieler Gegenparte ist, dass man nicht vor Ort gewesen ist, um sich zu überzeugen, zu sehen was dran ist und um den Gegenpart kennenzulernen, stattdessen sich aber durch allerlei Berichte so stark beeinflussen lässt, sodass man sich selbst keine Meinung mehr bei der direkten Quelle bildet und eine ggf. gewalttätige Anti-Haltung einnimmt, ohne den Gegenpart entsprechend zu kennen. Will man wirklich in einem nachgeredeten klischeebesetzten Tunnelblick verharren? Dabei gibt einem gerade vieles davon die Chance, neue Blickwinkel zu erhalten und im Falle der Burschenschaften sogar die Möglichkeit, dieses Kulturgut sowie spannende Form der Nostalgie aus einer anderen Perspektive zu erleben. Ich spreche nicht von Kritiklosigkeit, sondern vom prinzipiellen Abweisen, wie es heute immer noch praktiziert wird. 

Gefahr der Opposition

 Wenn jemand gefährlich ist, dann sind es frustrierte und wenig ausgeglichene Personen. Ob rechts oder links. Die meisten, die in radikale Zweige überspringen, haben innerlich eine riesige Komplexe-Welt und visieren Ausgeglichenheit in Wirtschaft und Sozialstaat gar nicht an. Sie wollen das System ihnen und ihrer frustrierten Sicht im Radikalschnitt anpassen, ganz egal, was die Mehrheit davon hält und wie wenig erfolgreich es umsetzbar ist, gar alles verschlechtert. Das sind Frustakte – sei es aus Arbeitslosigkeit oder psychischer Probleme wie Frust bezgl. des inneren Selbstbewusstseins. Man sucht einen radikalen Halm, der alles wegbläst, worin man sich nicht wohl fühlt – auch mit Zwang. Einfach irgendwas, was einem per Radikaldrehung Hoffnung gibt, innerlich eine Änderung aus dem quälenden Diesseits zu fühlen.

Auch auf der linksradikalen Seite. Viele wollen dort z.B. gar nicht, dass Menschen angespornt werden, große Unternehmen zu schaffen, die viele Arbeiter beschäftigen können. Maximalgehalt ist ihnen lieber – der Tod jeglicher Expansionen und wirtschaftlicher Kollaps. Eben Gleichmacherei die auf der Arbeitsseite in Gleichgültigkeit ausufert, weil kein großer Fisch mehr Interesse an Investitionen hat.
Die Lebensqualität weltweit steigt und breitet sich mehr aus als sonst. Einige fallen der Globalisierung zum Opfer, dafür bietet sie neue Chancen auf einem viel größeren, weltweiten Markt. Man kann davon Gebrauch machen, internationaler tätig werden, sich überall verbinden. Das war früher in diesem Pensum undenkbar. 
Man sollte darauf achten, dass der Sozialstaat nicht auseinandergebaut wird und auch Riegel setzen, bevor alles zerstörerisch unkontrolliert ausufert – eben ein starker Sozialstaat, der schützt und hilft, zielorientiert faire Chancen zu erkennen. 
Man braucht nichts Radikales. So reich wie heute lebten die Menschen auf diesem Planeten noch nie und anders hätten wir wohl kaum eine so gut ausgebaute Sozialseite errungen. Unsere Bedürfnisse ändern sich, Armut heute und Armut vor 100 Jahren ist absolut nicht vergleichbar.
Man braucht Ideen, die neuen Möglichkeiten einfach besser zu nutzen und aus Fehlsituationen nachhaltig zu lernen – und keine großflächige Zerstörung, wenn bereits gut laufende Strukturen existieren, sondern einfach Generalüberholung.